PNP 18.07.16: Energiewende? Nur gemeinsam zu schaffen!

Veröffentlicht am 20.07.2016 in Unterbezirk

SPD-Generalsekretärin kritisiert in Töging die Haltung der Staatsregierung in Sachen erneuerbare Energien

Töging. Welche Chancen bietet die Energiewende? Und welche Risiken birgt sie? Zu diesem Thema hatte die SPD im Landkreis ins Töginger Veranstaltungszentrum Kantine geladen – und mit der bayerischen SPD-Generalsekretärin und Energie-Fachfrau Natascha Kohnen als Referentin auch gleich für eine hochrangige Diskussionspartnerin gesorgt.

Befürchtet, dass es in Deutschland zu Strompreiszonen kommen könnte: Natascha Kohnen, energiepolitische Sprecherin der SPD. − F.: Reuter

 

Gleich zu Beginn hielt Kohnen fest, dass die Energiewende äußerst komplex sei. Klar sei, dass Bayern die Energiewende nicht allein meistern könne.
Dabei habe Bayern nach dem Vorfall in Fukushima ambitioniert ganz Europa zeigen wollen, wie es geht, jetzt aber sei Bayern der Bremser beim Gelingen der Wende. Mit der gesetzlich festgelegten Abstandsregelung für Windräder, die besagt, dass die Entfernung von Windrädern zu Bebauungen das Zehnfache ihrer Höhe betragen muss, sei der Ausbau der Windenergie praktisch zum Erliegen gekommen, kritisierte Kohnen.
Der von Ministerpräsident Horst Seehofer vorgesehene zehnprozentige Anteil der Windenergie am Energiemix könne somit nicht mehr erreicht werden – derzeit liege man gerade mal bei zwei Prozent.

Hinzu komme der Kampf der Staatsregierung gegen die benötigten Stromtrassen. Kohnen sprach in diesem Zusammenhang gar vom Stillstand der Energiewende im eigenen Bundesland. Sie befürchtet, dass nach schwedischem Vorbild in Deutschland Strompreiszonen eingeführt werden könnten. Das hätte zur Folge, dass der Strom im Süden gegenüber dem Norden wesentlich teurer werde – mit allen noch nicht absehbaren Folgen, etwa für die Industrie. Sollte der Energie-Engpass nach Abschaltung aller Atomkraftwerke nicht durch ausländischen (Atom)Strom ausgeglichen werden, blieben nur der eigene Ausbau der Photovoltaik oder Gaskraftwerke übrig. Allerdings müsste Gas Kohnen zufolge subventioniert werden. Und das wiederum würden die anderen Bundesländer nicht mittragen, so die SPD-Generalsekretärin.

Ihrer Meinung nach muss noch über andere Stellschrauben intensiver nachgedacht werden. Umdenken in der Mobilität, wie weit etwa muss der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden? Wie wird in Zukunft gebaut, wie gedämmt? Kohnen gab auch einen kleinen Ausblick in die derzeitige Forschung an fliegenden Windrädern, Solarzellen für den Balkon und neue Speichermedien. Ihr Fazit: Die Energiewende ist nach Fukushima unumkehrbar geworden und auch zu schaffen, allerdings: "Wir schaffen die Energiewende nur gemeinsam", schwor Kohnen die Zuhörer ein.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde ging es um die soziale Komponente in der Regionalisierung der Energieerzeugung, der Frage nach der Umlagebefreiung von stromintensiven Großunternehmen und warum das Potenzial der Biomasse nicht weiter ausgebaut wird. Kohnen sagte dazu, sie habe sehr positive Erfahrungen mit regionalen Energie-Genossenschaften machen können, habe aber nun nach der Neuausrichtung des EEG mit dem neuen Ausschreibeverfahren die Sorge, dass nur Energiemultis zum Zuge kommen werden.

Wie kompliziert die Zusammenhänge und die Wirkung der verschiedenen Stellschrauben beim Thema Energiewende sind, erklärte die SPD-Sprecherin anhand des Öffentlichen Nahverkehrs: Auch hier seien Großunternehmen von der Umlage befreit, würde diese wegfallen, müsste die Kostensteigerung auf den Fahrpreis aufgeschlagen werden. Als Folge würde unweigerlich der Individualverkehr steigen, was nicht im Sinne der Energiewende sein könne, so Kohnen. Bei der Biomasse gab sie zu bedenken, dass diese nur eine der vielen Stellschrauben im Energiemix sei und dass man sicherlich am neuen EEG im Laufe der Zeit noch einiges werde korrigieren müssen.

− reu

 
 

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