PNP 03.02.16: Asylbewerber: Rollentausch auf der Bühne

Veröffentlicht am 07.02.2016 in Lokalpolitik

MdL Günther Knoblauch organisiert Empfang im Stadtsaal als Dankeschön-Abend für die ehrenamtlichen Helfer im Asylbereich des Landkreises

Neuöttting. Stellen Sie sich vor, Sie haben alles hinter sich gelassen und sind nach wochenlanger Reise in eine ungewisse Zukunft völlig erschöpft in einem Land angekommen, in dem Sie die Schrift nicht lesen und die Sprache nicht sprechen können. Und vor allem: In einer Situation, in der Sie nicht wissen, was auf Sie zukommt. So ähnlich müssen sich die Asylbewerber fühlen, wenn sie nach ihrer Flucht aus der Heimat, weg von Gewalt, Terror und Krieg, irgendwo in Deutschland landen und in eine Erst-Unterkunft gebracht werden.

Ein Bild davon, wie diese Situation sein kann, vermittelte bei einem Empfang, den SPD-Landtagsabgeordneter Günther Knoblauch für ehren- und hauptamtliche Helfer im Asylbereich des Landkreises veranstaltete, ein Theaterstück. Hinter dem Titel "Mitten in Niederbayern", der genauso auch "Mitten in Oberbayern" lauten könnte, versteckt sich ein Stück, das den Zuschauern den Spiegel vorhält: Auf der Bühne des Stadtsaals sind die Einheimischen aus Schönau bei Eggenfelden die Flüchtlinge und die (wirklichen) Asylbewerber schlüpfen in die Rolle der Hiesigen – als Bäcker, Wirt, Pfarrer, als Polizisten, Gemeinderäte und als Bürgermeister. Sie zeigen den 150 Zuhörern – sozusagen mit vertauschten Rollen – wie es ist, wenn beim Dorfbürgermeister plötzlich der Anruf kommt: "Die Flüchtlinge kommen! " Der Bürgermeister mit Sepplhut trommelt seinen Gemeinderat zusammen, man versucht, zu helfen, stolpert über Hindernisse. Der Sprachunterricht wird dargestellt, die gut gemeinte, aber manchmal nicht ganz treffende Hilfe auch: Was machen die "Flüchtlinge" mit den Trommeln, die als Geschenk vor der Tür stehen? Simpel: Sie trommeln.

Die Asylbeauftragte der SPD-Fraktion im Landtag, Angelika Weikert aus Nürnberg. − Fotos: ina
 

Die Asylbeauftragte der SPD-Fraktion im Landtag, Angelika Weikert aus Nürnberg. − Fotos: ina

 

"Egal wie: Wir helfen"Aber: All das spielt keine Rolle, als einer der "Flüchtlinge" auf die Bühne stürmt und ruft "Unser Wohnheim brennt!" – und: Wie geht es weiter? Die "Einheimischen" haben eine einfache und einfach schöne Antwort parat: "Wir helfen. Egal wie, wir helfen."

Untermalt ist das Stück mit einer Musik, die den Zuhörer insofern beeindruckt, als man meint, sie sei dafür gemacht mit ihrem Refrain: "Hand in Hand – Mensch sein mit Verstand". Und in der Tat: Die Musik ist von einem der Schauspieler dem Stück quasi auf den Inhalt geschrieben. Und auch wenn die Sprache der "Hiesigen" auf der Bühne nicht immer ganz verstanden wurde – die Idee, mit einem solchen Theaterstück Asylbewerber und Helfern auf eine Ebene zu holen, ist nachahmenswert. Die Gruppe, die sich "die Ankommer" nennt und aus dem Verein "Lebensraum Rottal" gewachsen ist, geht jetzt mit dem Stück, das im Oktober im Posthaltersaal in Schönau Premiere hatte, auf Tournee.

MdL Günther Knoblauch hatte die "Ankommer" nach Neuötting eingeladen, um den Ehrenamtlichen Danke zu sagen: "Man spricht zwar viel über die momentane Situation, wir übersehen aber bei allen Forderungen, dass wir das alleine nicht bewältigen könnten, wenn wir nicht die Ehrenamtlichen hätten, die die Menschen begleiten und ihnen auch zeigen, dass hier manches anders ist als sie es zuhause gewohnt sind." Knoblauch erinnerte an den Antrag der SPD, dass in jedem Landkreis ein hauptamtlicher Asylbeauftragter als Anlaufstelle eingestellt werden soll. Bisher habe der Freistaat aber nur 14 Stellen für 71 Landkreise vorgesehen. Zum Vergleich sagte Knoblauch: "In jedem Landkreis ist ein hauptamtlicher Biberberater da". Mit der Ansage, im Jahr 2017 würde es mehr Aslybeauftragte geben, habe er sich nicht zufrieden geben wollen: "Wir brauchen’s jetzt." Schließlich würden die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer in den Landkreisen Aufgaben des Bundes übernehmen.

Auf die Frage einer Zuhörerin, wie die Parteien mit der AfD umgehen, sagte Knoblauch, es sei eine schwierige Situation. Die Äußerungen der AfD zum Schusswaffengebrauch an Grenzen zeige, "wes Geistes Kind die sind." Knoblauch fügte hinzu: "Geschichte kann sich durchaus wiederholen – 1930 bis 1933 war der Beginn auch mit 15 bis 20 Prozent."

Bürgermeister Peter Haugen-eder teilte zur Frage der Stellen für Hauptamtliche mit, dass der Landkreis Altötting 21 neue Stellen im Asylbereich schaffen werde. Er erinnerte daran, dass 2008 die Regierung von Oberbayern die Gemeinschaftsunterkunft in der Frauenhoferstraße für 100 Asylbewerber angemietet hatte. Damals habe es geheißen, man wolle keine Integration, auch keine sprachliche Integration. Hier habe es Widerstand der Ehrenamtlichen gegeben, die ihre Alphabetisierungskurse durchsetzten. Darum herum habe sich ein Helferkreis gebildet: "Sie machen eine hervorragende Arbeit", lobte Haugeneder. Die Asylbewerber, so der Bürgermeister weiter, seien "in der Stadt Alltag, das ist eigentlich nichts Besonderes". Heute sind in der Gemeinschaftsunterkunft 170 Plätze der genehmigte Status, dazu kommen 120 dezentrale Plätze und derzeit 250 Plätze in der Notunterkunft (genehmigt sind hier 350 Plätze).

Das Hauptreferat des Abends hielt die Sprecherin für Asyl und Flüchtlingspolitik der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Weikert. Sie sprach davon, dass die Angriffe auf Asylbewerber zunähmen: 2014 seien es noch 24 Angriffe aus Asylunterkünfte gewesen, im vergangenen Jahr bereits 64: "Das ist nicht hinnehmbar", sagte sie. "Ohne die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Sozialarbeiter wäre die Situation unerträglicher und sie wäre vielleicht auch gefährlicher", sagte Weikert. Andererseits stelle man sich die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Integration und die Frage, ob denn unsere Gesellschaft um ihre Werte bangen müsse. Das dürfe nicht sein, aber: "Wir müssen deutlich machen, was wir denen, die zu uns kommen, abverlangen dürfen und müssen." In den sozialen Netzwerken erlebe man diesbezüglich aktuell einen "Auftritt, der unsäglich ist, ein Erstarken der Rechtsradikalen".

Obergrenzen können nicht festgelegt werdenKritik übte sie an der Dauer der Verfahren: "Es ist kaum verständlich, dass jetzt erst der Flüchtlingsausweis existiert." Klar sprach Weikert sich gegen Obergrenzen aus: "Es gibt keine Möglichkeit, eine Obergrenze festzulegen. Das ist mit den Grund- und Menschenrechten nicht vereinbar", sagte sie und fragte, was denn dann mit den Menschen passieren soll, die "nach der Obergrenze vor unseren Grenzen stehen?" Weikert forderte die Solidarität aller Kommunalpolitiker – denn noch gebe es Gemeinden, die keine Asylbewerber aufnehmen würden.
- ina

 
 

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