ANA 02.09.2009: Der Rebell ist zum Taktgeber geworden

Veröffentlicht am 02.09.2009 in Kommunalpolitik

Dank Mut und Entscheidungsfreude an die Stadtspitze - Bürgermeister Hans Steindl feiert heute 60. Geburtstag

Von Rainer Wetzl
Burghausen. Am 2. September 1949 berichtete der Burghauser Anzeiger, dass die Stadt 2000 DM für die Erweiterung der Straßenbeleuchtung im Haushalt eingeplant hat. 60 Jahre später ist das völlig unwichtig geworden, ein anderes Ereignis dieses Tages dafür umso nachhaltiger: Um 1 Uhr nachts erblickt in der Tittmoninger Straße 2 ein Bub das Licht der Welt. Mit 50 Zentimetern ist er nicht der größte, wiegt aber immerhin 3700 Gramm und ist der lang ersehnte Stammhalter seiner Eltern Hans und Luise Steindl.
Wenn Hans Steindl heute über die Beziehung zu seiner Heimatstadt sagt „Burghausen ist mein Leben“ so blickt er zugleich auf sein Lebenswerk. 19 Jahre ist er Bürgermeister, hat in diesen Jahren ungemein viel bewegt und eine Energie an den Tag gelegt, die ihm der Bürger bei den Wahlen dankbar quittiert hat.
Viele Burghauser haben sich schon gefragt: Was treibt diesen Mann an? Nach der letzten für Hans Steindl so erfolgreichen Wahl könnte er es sich viel leichter machen, könnte zumindest einen Gang zurückschalten und gemächlicher die Geschicke Burghausens steuern. Kein Mensch würde ihm das übel nehmen.
Aber derlei kommt für Hans Steindl nicht in Frage. Er ist keiner, der Probleme aussitzt oder Entscheidungen auf die lange Bank schiebt. Hans Steindl ist ein Antreiber. Der Mann will Dinge bewegen, will gestalten und verändern.
Es ist eine Mischung aus Ehrgeiz und Ungeduld, die Hans Steindl so erfolgreich hat werden lassen, eine Mischung, die bei manchen seiner Untergebenen schon für Stöhnen gesorgt hat. Dabei ist Hans Steindl ein nachsichtiger Chef, was Fehler angeht. Was ihn viel mehr stört und wo er wenig Nachsicht übt, sind Desinteresse und Behäbigkeit. Die 300 Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben in den 19 Jahren seiner Amtszeit längst gelernt, sich diesem Führungsstil anzupassen und damit läuft es in Burghausen nach Steindls Vorstellungen. Die Grenzen der Macht erlebt der Bürgermeister dagegen, wenn er Dinge wie den Bau der Bahnstrecke am Tempo städtischer Bauvorhaben misst oder erfahren muss, dass ein Gerüst vor der Kirche Raitenhaslach eine sehr beständige Einrichtung sein kann. „Das sind Dinge, die mich ärgern.“
Auf die Frage, was ihn antreibt, sagt Steindl selbst: „Ich habe mir das Bürgermeisteramt erkämpfen müssen. Jetzt merke ich, wie sich die Menschen auf mich verlassen. Diese Zustimmung der Leute ist mir mehr Befriedigung als jedes Verdienstkreuz.“
Kämpfen gelernt hat Hans Steindl nicht nur auf dem Fußballplatz. Als Jugendlicher war er auch ein Anführer der Altstadtler, wenn sie sich Schlachten mit den Neustadtlern im Herzogsbad lieferten. Ausgefochten wurden die Siege mit Holzschwertern. Einer seiner Gegner damals war übrigens Hans Brehm. Zimperlich ging es dabei nicht immer zu. Steindl erinnert sich, dass einmal sogar die Polizei einschreiten musste.
Zum Kämpfen bedarf es des Mutes. Und mutig ist Hans Steindl. Als Teil der 68er-Bewegung hat er bei Demonstrationen gegen Nachrüstung und Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf mitgemacht, hat das Jugendzentrum mitgegründet und hat auch als Lehrer die unbequeme Variante gewählt: Geprägt vom damaligen Zeitgeist, begehrte er auf gegen den Wunsch der Älteren, das Nazireich und die Verbrechen dieser Zeit auszublenden und zur Tagesordnung überzugehen. Bei den Schülern stand er in hohem Ansehen, bei der staatlichen Kultusbürokratie weniger. Wegen seiner Teilnahme an Demonstrationen wurde auf ihn der so genannte Radikalenerlass angewandt. Steindl musste ein Jahr länger warten, bis er Beamter werden durfte.
Ganze 22 Jahre war Hans Steindl alt, als er in den Stadtrat gewählt wurde. Dass er in die SPD eingetreten war, lag an einem Mann, den Steindl damals gerade wegen seiner Regierungserklärung als Bundeskanzler schätzte. Als Willy Brandt ankündigte „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ waren junge Leute wie Steindl von dieser Aufbruchstimmung begeistert. In seinem Arbeitszimmer im Rathaus hängt noch heute ein Bild seines politischen Vorbilds.
Macht einsetzen und ausüben, darin ist Steindl längst zum Meister geworden. Nach außen wirkt er extrovertiert und strotzt vor Selbstbewusstsein. Dabei ist er im Grunde ein nachdenklicher und vorsichtiger Mensch. Das kommt ihm in der Politik insofern zugute, als er eine gute Antenne für Stimmungen in der Bevölkerung hat und sich nicht scheut, eigene Positionen zu ändern, zum Beispiel beim Thema Burgaufzug.
Eines ist Hans Steindl Herzensangelegenheit - der Fußball. Ohne einen „fußballnarrischen“ Bürgermeister wäre die Erfolgsgeschichte des SV Wacker so nie möglich gewesen. Steindl spielte in seiner Jugend selbst, unterrichtete neben Sozialkunde und Geschichte das Fach Sport am Aventinus-Gymnasium. Auf eine Frage kann Hans Steindl keine Antwort geben. Wir wollten von ihm wissen, welchen Beruf er ergreifen würde, wenn er heute noch einmal 20 wäre. „Ich war gerne Lehrer, aber ich weiß nicht, ob ich mich nochmals dafür entscheiden würde. Auf die Jugend kommen schwere Aufgaben zu, sie muss die jetzt gemachten Schulden einmal bezahlen.“
Das für Hans Steindl von seinen Mitarbeitern unter Regie von Werner Lechner zusammengestellte Geburtstagsprogramm beginnt heute schon am frühen Morgen mit einem Frühstück im Bauhof. Danach geht es im Rathaus weiter mit Gratulationen und einem Weißwurstessen. Auf eines muss Steindl dabei notgedrungen verzichten - das heutige Spiel gegen Ingolstadt kann er nicht anschauen, das muss er sich erzählen lassen.

 
 

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